Light

Geschichte:
Flicker-Licht und Ganzfeld induzierte pseudo-Halluzinationen sind seit dem frühen 19. Jahrhundert Gegenstand wissenschaftlicher und künstlerischer Untersuchungen. Hier folgt ein kurzer, unvollständiger Abriss:

Jan Purkinje: 1819 verwendet der tschechische Physiologe verschieden Methoden das Auge zu stimulieren. Eine dieser Methoden war, mit geschlossenen Augen in die Sonne zu blicken, und mit gespreizten Fingern vor den Augen ein Flickern zu erzeugen. Abhängig von der Frequenz konnte er verschieden Muster aus geometrischen Formen identifizieren.

 

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Heinrich Klüver: 1928 studierte der Psychologe die subjektiven Effekte von Meskalin.
Er bemerkte bei verschiedenen Testpersonen sich wiederholende geometrische Muster die er “Formkonstanten” nannte. Diese Formkonstanten kategorisierte er in vier Gruppen: Tunnel, Spiralen, Gitter (Bienenwaben, Schachbrett und Dreieck), und Spinnennetz.

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Bresslof, Cowan, Golubitsky, Thomas und Wiener presentieren 2002 eine Theorie der Entstehung dieser Formkonstanten basierend auf der Annahme, daß die Art der Retino-Kortikalen Zuordnung und die Architektur des visuellen Kortex ihre Geometrie determinieren. Die von den Forschern vorgelegten mathematischen Modelle belegen eine enge Verbindung der kortikalen Mechanismen die für die Entstehung geometrischer visueller Halluzinationen zuständig sind mit jenen, die für die Verarbeitung von Kanten, Oberflächen, Konturen und Texturen verwendet werden.

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G.T.Fechner: 1838 - 1840. Fechner beschäftigt sich mit dem Nachbild das selbst ein kurzer Blick in die Sonne hinterläßt. Er stellt fest, daß sich an dem Abklingen des Sonnebildes im Auge zwei Phasen unterscheiden lassen. In der ersten erscheint es heller als der Augengrund und geht von weiß durch blau allmählich in lichtgrün über. In der zweiten Periode ist es dunkler als der Augengrund, erscheint zunächst rot, dann dunkelblau bis es unmerklich wird.

Sein Versuchsaufbau besteht aus einer Scheibe bei der sich schwarze und weiße Sektoren abwechseln. Wird nun die scheibe mit mäßiger Geschwindigkeit gedreht, erscheinen farbige Säume an den Grenzen der Sektoren. Es rührt dies daher, daß blaue Farbanteile des weißen Lichtes langsamer abklingen als rote Anteile.

Charles Benahm: 1895. Er erweitert die Scheibe von Fechner mit feinen schwarzen Linien. Der Farbeindruck hängt bei Benham ́s Top von der Drehrichtung der Scheibe ab.

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Ritter Simon v. Stampfer: Macht sich nach Ideen Faradays daran einen Apparat zu bauen, der die Kontinuität des Sehens unterbricht. Das Licht wird zerhackt und die auf der Scheibe abgebildeten Bewegungsschnapschüsse verschmelzen im Betrachter zu einer flüssigen Bewegung. Stampfer nannte seine mit einem k. u. k. Patent belegte Erfindung "Stroboskop"

Joseph Plateau: erfand sein Phenakistoskop zur gleichen Zeit, 1832.

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Wolfgang Metzger: In den 1930 Jahren machte der deutsche Gestalt-Psychologe Experimente bei denen er Probanden vor eine weiße Wand setzte. Bei schwacher Beleuchtung konnten keine strukturellen Merkmale in der Wand erkannt werden - man perzipierte einen unendlich tiefen, weißen Raum – das Ganzfeld. Metzger interpretierte den Nebel aus Licht als das Sehen von "Raum" als eine primäre Wahrnehmung. Er schloss daraus, daß der betrachter die Dreidimensionalität der Welt nicht aus der Wahrnehmung von Oberflächen konstruieren muß, sondern direkten Zugang darauf hat.

1)...Metzger interpreted the mist of light in terms of seeing "space" as a primary percept. He concluded that, rather than contracting the three-dimensional world from the perception of surfaces, the viewer had direct access to it. [p.219 art of perception, Craig E. Adcock, James Turrell]

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Charles Honorton: In den 1970iger Jahren wurden Ganzfeld-Versuche in einem anderen Kontext durchgeführt. Bei diesen Versuchen sollten sensorisch abgeschirmte Versuchspersonen im Labor aufskizzieren, was sie von dem gesehen hatten, was Agenten in einem Nebenraum an Videoclips oder Bildern betrachteten.
Die von Pentagon und CIA finanzierten Versuche zur Gedankenübertragung und Fernwahrnehmung wurden 1983 eingestellt.

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James Turrell: Seit 1968 kreiert Turrell seine Ganzfeld-Serie. Arbeiten bei denen der Besucher einen Raum betritt, der vollkommen mit diffusem Licht ausgeleuchtet ist. Die chrakteristika des Raumes wie Ecken, Kanten, Wandstruktur werden unsichtbar.

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Harold E. Edgerton: ab 1937 erwendet er das von ihm weiterentwickelte Stroboskop für die ersten HighSpeed Fotografien und slow motion Filme, z.B. von Atombombenexplosionen.

 

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Peter Kubelka: 1960, sechs Jahre vor Tony Conrads Klassiker "The Flicker",  setzt Kubelka die vier Grundelemente des Kinos: Licht, Dunkelheit, Klang, Stille in rhythmisch organisierter Form zusammen.

kubelka_rainerKen Kesey: 1965 war er vielleicht der erste der Stroboskop-Licht im popkulturellen Kontext einsetzte. Die Merry Pranksters versuchten bei ihren "Acid Test" Partys mit fluoreszierenden Farben, UV-Licht, und Noise die Wirkung von LSD-Trips zu beeinflussen.

Kurt Hentschläger: Seit der Performance FEED aus 2005 arbeitet Hentschläger mit einer Kombination aus Nebel und Flicker- Licht um Fechner-Benham Farben in den Besuchern zu evozieren.

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Allefeld, Pätz, Kastner und Wackermann untersuchen in ihrer 2010 vorgelegten Studie “Flicker-light induced visual percepts: Frequency dependence and specificity of whole percepts and percept features” die Frequenzabhängikeit von Stroboskop-Licht induzierten Impressionen. Sie finden, daß die Wahrnehmung bestimmter Muster vorrangig durch bestimmte Frequenzen hervorgerufen wird, diese Zuordnung aber nicht eindeutig ist. Diese Mehrdeutigkeit läßt darauf schließen, daß der zugrundeliegende neurophysiologische Prozess Multistabilität aufweist.